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Die Klimapolitik der Bundesregierung

Spätestens im Jahr 2011 auf der Klimakonferenz in Durban hatte die Bundesregierung beschlossen, im Jahr 2020 nur noch 60% der CO2-Menge von 1990 auszustoßen.

Weil die bis dahin getroffenen Maßnahmen nicht ausreichten, folgte 2014 das "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" und der "Nationale Aktionsplan Energieeffizienz" (NAPE) mit etwa 110 Maßnahmen (beschrieben im Klimaschutzbericht 2018), die zwischen 43 und 56 Millionen Tonnen CO2 an Einsparung bringen sollten. Ursprünglich war im Jahr 2014 sogar mit 62-78 Millionen Tonnen Einsparung kalkuliert worden (BMU 06.02.19, PI Nr. 012/19).

Diese verwirrende Vielfalt von Zahlen (wann geht es um eingespartes CO2 und wann um die dann verbleibenden Emissionen, und was ist das Vollzugsdefizit) muß in einer Tabelle geordnet werden:
 
Jahr Mio. Tonnen
CO2-Äquivalente
Verbesserung
um Mio. to. CO2
je Einzelmaßn.
Gesamte Emissionen
in % von 1990
Senkung
in % von 1990
Senkung
um Mio. to. gesamt
Vollzugsdefizit
Mio. to. CO2
Basisjahr 1990 1250          
Plan bis 2020 750 500 60 % 40 % 500  
Stand 2017 905 345 72,4% 27,6% 345 155
+ 110 Ideen BMU Okt. 2017   862 - 849 43 - 56 69,0% - 67,9% 31,0% - 32,1% 388 - 401 112 - 99
+ Einblasdämmung 821 28 65,7% 34,3% 429 71


  • Schon die Zahl der 110 Maßnahmen im Klimaschutzplan zeigt, daß die Bundesregierung jetzt jeden Ideenkrümel zusammensammelt, der ihren Referenten und Beratern einfällt. Trotzdem oder gerade deshalb haben die 110 Ideen eher den Charakter wolkiger Ankündigungen und Wunschvorstellungen, Beispiel gleich im nächsten Punkt. Auch die jetzt heruntergeschraubten 43 und 56 Millionen Tonnen CO2 an Einsparung durch die 110 Ideen des BMU werden nicht zu halten sein.

    Die Einblasdämmtechnik hingegen ist tägliche bauliche Praxis mit gesicherten Ergebnissen. Angesichts der Tatsache, daß die im Kapitel "Forderungen" beschriebenen Maßnahmen nichts kosten und sogar Bau- und Heizkosten sparen, gibt es keinen Grund, auf dieses Paket von 27 Mio. Tonnen CO2 zu verzichten.

  • Die durch die Einblasdämmung möglichen 27 Mio. to. CO2 pro Jahr sind also ganz grob die Hälfte dieses Zusatzplanes, der rund 50 Mio. to. bringen sollte. Wenn aber die 50 Mio. to. vom "110-Ideen-Paket" nicht zu halten sind und auf ca. 25 - 30 Mio. to. zusammenschmelzen, sieht die Einblasdämmung in Relation schon wieder recht ebenbürtig aus.

  • Dämmung kommt überhaupt nur ein einziges Mal im Klimaschutzbericht vor, auf Seite 82, und dort auch nur "um den Einsatz nachhaltiger Bau- und Dämmstoffe zu stärken".

    Auch wir verarbeiten am liebsten und fast ausschließlich Naturdämmstoffe, aber "nachhaltig" sind auch Glaswolle, Steinwolle, Polystyrol und Polyurethan, wenn sie richtig verwendet werden. Sie alle sparen wesentlich mehr Energie ein, als für ihre Herstellung erforderlich war, und einmal eingebaut, haben sie eine unbegrenzte Nutzungsdauer. Was ist daran nicht nachhaltig?

    Die Bundesregierung könnte - um nur ein Beispiel zu nennen - sofort anfangen, indem sie die Brandschutzverfüllung von unzureichend geschotteten Schächten auch mit Zellulose erlaubt und nicht nur mit Steinwolle. Die Zellulose kann - korrekt verdichtet - fast genau so gut wie Steinwolle die Brandübertragung im Schacht von einer Etage in die nächste verzögern, weil beide Materialien nicht schmelzen, beide sehr lange Rauch und Hitze zurückhalten und die Sauerstoffzufuhr unterbinden.Die "Förderung nachhaltiger Dämmstoffe" ist also naiv, nicht von Fachkenntnis geprägt und geht am Thema vorbei.

    Das wäre verzeihlich, wenn sie zuhören könnten. Dazu später mehr unter "Politikerkorrespondenz".


  • Anfang August 2019 geht es weiter mit dem ratlosen Aktionismus:

    Abwrackprämien
    (AKK und Unionsfraktionsvize Andreas Jung am 11.08.19 in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“), egal ob für alte Ölheizungen, Kühlschränke oder Autos, sind "hoch hängende Früchte". Statt den Gebäudeenergiebedarf dauerhaft um 30 - 50% zu senken (was bei einem Altbau relativ leicht möglich ist), tauscht man funktionierende Geräte gegen neue aus, die 5 - 10% effizienter sind und nach 10 - 20 Jahren wieder getauscht werden müssen. Bürokratisch, nützt vor allem den Herstellern, teuer, wenig effizient.

    Plastiktütenverbote (Umweltministerin Schulze, 11.08.19 in der "Bild am Sonntag"). Eine Tüte wiegt 20 g und verbraucht 40 g Erdöl. Wenn man bei einem Einfamilienhaus (EFH) die einfachsten Dämmarbeiten erledigt, spart das 160 m² x 60 kWh/m² = 9600 kWh pro Jahr = ca. 900 Liter Erdöl (bei grob 10 kWh/Liter) x 300 g CO2/kWh = 2.800 kg CO2.
    Die 40 g Erdöl für eine Tüte gehen in die 900 Liter/J Dämm-Ertrag (rund 800 kg) 20.000 mal. Wollen wir nicht lieber erst mit der Gebäudedämmung beginnen und den Gegenwert von 20.000 Plastiktüten je EFH einsparen?

    Die Wochenzeitung "Die Zeit" faßt den Stillstand in einem Artikel vom 07.08.19 trefflich zusammen. Die Politik verteilt mit der Mütterrente und "Rente mit 63" nicht-investives Geld, zugleich Selbstlähmung beim Netzausbau (alle Netze - Stromtrassen, Internet, Mobilfunk, Stromtankstellen für Elektroautos ...), Datenschutzgrundverordnung statt Digitalisierung, Verzichtswettbewerbe im Kleinen (Plastiktüten) statt mutiger Veränderungen (Radwegenetze, Bahnausbau, und eben der hier geforderten Entfesselung der Altbausanierung - unter anderem in Einblasdämmtechnik!).

  • "Aber wir müssen doch die Technologieneutralität einhalten!" wird dann regelmäßig entgegnet. Ja, bitte, dann fangt mal an und beseitigt die Diskriminierungen, die auf der vorherigen Seite in 8 Punkten zusammengefaßt sind.

    Die Technologieneutralität hat zudem da Grenzen, wo es keine gleichwertige Alternative gibt. In anderen Worten: insbesondere bei der Altbausanierung hat das Einblasdämmverfahren ein Alleinstellungsmerkmal, und zwar hinsichtlich Kosten (20 bis 40 €/m² statt 60 - 160 €/m²) und Bauphysik (Wind- & Luftdichtung, sowie Brandschutz).

    Bei der Förderung von Wind- oder Solarenergie war die Technologieneutralität auch kein Hindernis, und auch im umgekehrten Fall, wenn bestimmte Technologien verdrängt werden sollen (Glühbirnen, Kohle- und Atomkraftwerke) konnte man sich darüber hinwegsetzen.