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Wärme- und Feuchteberechnungen vertieft


Was sagt eine Berechnung aus und was nicht?

Ein Energieberater / Architekt / Bauingenieur will wissen, ob er seinem Kunden guten Gewissens eine Kerndämmung anbieten kann, und läßt das Bauteil durchrechnen. Die Berechnung für das gedämmte Bauteil weist Tauwasser an der Innenseite der Außenschale aus, in diesem Beispiel hier (Grafik unten rechts, das gedämmte Bauteil) sind es 0,63 Liter/m² und eine Trocknungsdauer von 45 Tagen. Nur Tauwasser, noch kein Schlagregen, der käme noch dazu! Unser Fachmann rät ab und empfiehlt, die Wand so zu lassen wie sie ist, oder ein "Wärmedämmverbundsystem" (WDVS) aufzubringen, Kosten ca. 150 € pro Quadratmeter. "Schade, schade, die Kerndämmung hätte nur 30 bis 35 €/m² gekostet, aber wenn die Wände dann feucht werden, lassen wir es lieber ..."
Zweischaliges Mauerwerk Vergleich (pic)
Würde unser Fachmann die selbe Wand einmal im ungedämmten Originalzustand durchrechnen (Grafik links und Mitte), würde er sich wundern: das Ergebnis ist eher noch schlimmer! Die Wand ist aber in der Praxis nicht "abgesoffen", sondern hat Jahrzehnte lang funktioniert, wenn auch mit hohen Heizkosten.

Der Grund: das hier vorherrschende Berechnungsverfahren nach Glaser rechnet unter der Annahme "drei Monate lang konstant minus 10°C Außentemperatur". Es berücksichtigt auch keine Feuchte-Umverteilungen aufgrund der Saugfähigkeit des Materials. Das kann man mit anderen Verfahren der "hygrothermischen Simulation" (das bekannteste ist WuFi, = Wärme und Feuchte instationär) berechnen. Die Praxis gibt dem WuFi-Verfahren Recht, nach einer Kerndämmung ist die Innenschale wärmer und trockener, die Außenschale als Wetterschale ist sowieso auf die (Wechsel-)Feuchtigkeit ausgerichtet, die kapillare Trennung zwischen Innen- und Außenschale funktioniert mit Kerndämmung besser als je zuvor.

Aber eine Glaser-Berechnung ist durchaus wertvoll und aussagekräftig, wenn man sie richtig liest: sie zeigt, wie sich die Material- und Oberflächentemperaturen verändern und wo die Tauebene dann jeweils liegt. Hier ist für Sie eine solche Glaser-Berechnung, und hier haben wir sogar die Wärmebrücken aufgrund von Verbindersteinen und Fensterlaibungen berücksichtigt, siehe kleine Grafik mitte-unten. Wenn die innere und äußere Mauerschale nicht mit Verbindersteinen, sondern mit Drähten verbunden sind, entfallen diese Wärmebrücken und der U-Wert verbessert sich von 0,654 (hier rechtes Bild) noch weiter auf 0,44 - 0,50 W/m²k.

Manchmal hört man, selbst von Fachleuten, die Aussage "ist doch alles schöngerechnet, aber wenn man die Verbindersteine noch in die Berechnung einfließen lassen könnte, dann bliebe von der Wärmedämmung nichts mehr übrig". Doch, man kann die Verbindersteine in die Berechnung einfließen lassen, und auch dann noch reduziert sich der Wärmedurchgang um rund 55%, d.h. es geht nur noch 45% der Wärme durch im Vergleich zu "vor der Dämmung". Wenn Sie es selbst mit ubakus.de durchrechnen möchten (bis Mitte 2018 hießen die "u-wert.net", daher steht das so noch auf der Berechnung): wir haben statt punktförmiger Wärmebrücken sogar durchgehende Mauerstege genommen, 11,5 cm breit, 1 m lichter Abstand zwischen den Stegen.

Weitere Einwände gegen Kerndämmung:
  • Grünbelag: Die Innenwände werden deutlich wärmer, Außenwände werden kälter. Dadurch entsteht rein theoretisch, wenn die Dämmung richtig funktioniert, außen ein leichter Hang zur Grünbelagsbildung durch Algen, wenn auch erheblich weniger als bei einem Wärmedämmverbundsystem. In der Praxis kennen wir das jedoch nicht. Das liegt in zweifacher Hinsicht am Speichervolumen einer Mauerschale, das erheblich größer ist als das einer armierten Dünnputzschicht, und zwar sowohl in bezug auf Solarwärmespeicherung als auch hinsichtlich der Feuchtespeicherung und -verteilung. Ein Neuanstrich auf einer Putzfassade sollte aber, wenn er dann "dran" ist, nicht mit einer Silikatfarbe, sondern mit einer Siliconharzfarbe ausgeführt werden, z.B. mit der Miropan-Serie von Alligator. Die schützt vor frühzeitigem Algen- und Pilzbefall, ist diffusionsoffen für Feuchte von innen und dennoch schlagregendicht. Sie zerstört die Algen "photokatalytisch" und nicht mit Gift.
  • Des weiteren können - je nach Beschaffenheit der Fassade insgesamt, insbesondere der Putzstruktur und Farbe - die 1,5 bis 3 cm großen Einblaslöcher auch nach Wiederverschluß noch erkennbar sein. Die Löcher sind jedoch so klar umgrenzt, daß sie nach Wiederverschluß selbst bei Erkennbarkeit nicht negativ auffallen.
  • Feuchtigkeit und Schimmel im Haus: die gedämmten Bereiche werden innen wärmer. An den wärmeren Innenflächen der Außenwände kann kein Wasser aus der feuchtwarmen Innenluft mehr auskondensieren. Das Risiko für Feuchtigkeit und Schimmel im Haus wird durch die Dämmung daher deutlich und meßbar vermindert.
  • Wärmebrücken: Durch die Kerndämmung werden Wärmebrücken, z.B. durch Fensterstürze oder Schuttansammlungen im Sockelbereich, natürlich nicht mitgedämmt. Die gedämmten Bereiche werden innen wärmer, die massiven Bereiche bleiben kalt, und der Kontrast zwischen warm und kalt verstärkt sich. Gleichwohl kann der weitaus größere gedämmte, wärmere Teil der Innenschale mehr Feuchtigkeit von den kalten Bereichen (Fensterstürze, Laibungen) aufsaugen. Bisher haben wir deshalb bei über 200 gedämmten Häusern noch nicht ein Haus gehabt, bei dem dies zu Kondensation und Schimmel geführt hätte, und wir fragen aktiv nach. Es ist aber immer richtig, im Winter die Luftfeuchtigkeit im Hause zu beobachten und unter 60% zu halten. Laden Sie sich hier unser Merkblatt Heizen und Lüften herunter, die darin enthaltenen Empfehlungen sind bei vielen Mieterberatungen meßtechnisch bestätigt worden.