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(Fachwerk-) Innendämmungen

Dämmplatten einfach an die Wand kleben, kann das funktionieren? Nein, denn ebene / gerade Platten können nicht an einer krummen, buckligen Wand vollflächig anliegen. Es entstehen Hohlräume zwischen der Dämmplatte und der Außenwand, und dort kann sich dann Kondenswasser (Tauwasser) bilden, wie es in der Grafik dargestellt ist.

Auch geschlossene Luftschichten "ruhen" nicht, sie "rollen" vielmehr zwischen warm und kalt und lagern ihre gesamte Feuchte an EINEM kältesten Punkt ab - die sog. "konzentrierte Kondensation". Das, zusammen mit der Auskühlung und dem Eintrag feuchtwarmer Innneluft, sind unkontrollierte Prozesse und das Gegenteil unseres Idealbildes einer "fehlertoleranten" Konstruktion. 

Unsere Lösung: innen ca. 10 cm vor der Wand eine Gipskarton-Vorsatzschale 2 x beplankt (damit werden gleich die schiefen Außenwände ausgeglichen), und Zellulose als Dämmschicht einblasen. Diese Dämmschicht ist absolut hohlraumfrei und kann jedes Tauwasser wegsaugen und großflächig verteilen, "bevor es überhaupt entsteht". Der "Löschblatteffekt" kommt wieder zur Anwendung. Sehen Sie sich dazu die Reihe mit den 5 Fotos an, am Schluß dieses Abschnittes.

Alternativ kann man statt der ersten GK-Lage und der Dampfbremse auch eine OSB-Platte verwenden, dann vereinfacht sich das Anschrauben der Gipsplatte als zweiter Lage, und später auch das Aufhängen von Bildern, Regalen etc. erheblich. Allerdings empfehlen wir das nicht bei Fachwerk-Innendämmungen, nur bei Mauerwerk ohne Holz.

Die Vorsatzschale mit Zellulose-Einblasdämmung ...
  • ist die reversibelste aller Bauweisen in der Innendämmung,
  • hat immer Vollkontakt zur Wand,
  • ist noch wesentlich saugfähiger als Lehm, Kork, Holzfaser etc., und verteilt die Feuchtigkeit schnell über große Bereiche wie ein Löschblatt (also bauphysikalisch zuverlässiger),
  • ist dadurch nicht nur (passiv) reversibel, sondern stellt einen aktiven Substanzschutz dar,
  • erfüllt schon als Materialeigenschaft eine luftdichtende Funktion,
  • wird trocken eingebaut, (Lehm, auch als Strohlehm, Leichtlehm etc., enthält viel Wasser und trocknet sehr langsam),
  • erspart lange Trocknungszeiten,
  • ist erheblich günstiger, sowohl vom Material- als auch vom Arbeitsaufwand her,
  • dient zugleich als Installationsebene und spart so Geld und Platz.

In der Fachzeitschrift Holzbau Quadriga Nr 6/2012 wird von der Burg Knesebeck in der südlichen Lüneburger Heide berichtet. Dort sind beide Methoden angewandt worden; die Dämmung mit naß eingebautem Strohlehm und die mit Zellulose. Der Vergleich verlief für Lehm katastrophal, und zwar wegen der damit eingebrachten Wassermengen. Beim Strohlehm kommt zu den höheren Kosten und den Trocknungszeiten von bis zu einem halben Jahr noch das Risiko der Rißbildung hinzu, die mit der Trockung einhergeht.

Natürlich gibt es auch funktionierende Fachwerkinnendämmungen mit Mineralwolle oder Calciumsilikatplatten, wenn die Platten perfekt passgenau und fugenfrei zugeschnitten wurden, hohlraumfrei anliegen, der Schlagregenschutz gegeben ist, kein Acryl und kein diffusionshemmender Anstrich verwendet wurde,  etc... Aber das Prinzip "Glück gehabt" ist kein Leitmotiv für eine geplante, neue Innendämmung, zumal die Calciumsilikatplatten (auch als Kalziumsilikatplatten, Calsithermplatten, AquaTherm-, Redstone- oder Wohnklimaplatten bekannt) inclusive Verarbeitung erheblich teurer sind. Oft muß die bucklige Wand erst "gerade geputzt" werden, bevor der neue Putz dann hinter der Klimaplatte verschwindet. Außerdem sind sie sowohl in der Feuchtepufferung als auch bei der Wärmedämmung weniger leistungsfähig. Wenn Sie es noch in der Hand haben, wählen Sie die hier empfohlene Bauweise, die sicher, fehlertolerant und preiswert ist.

Das Feuchteverhalten von Zellose sehen Sie hier rechts, drittes Bild von oben in der bewegten Grafik (die Sie sich bitte um 90° gedreht vorstellen müssen). Dampf diffundiert in die Dämmschicht, kondensiert vielleicht für eine logische Sekunde an der Kaltseite aus, wird dann aber sofort weggesogen und in Richtung Warmseite gezogen, wo es die Porenluftfeuchte erhöht und damit den "Motor" der Diffusionsrichtung zum Erliegen bringt. Die Dachbahn hier im Modell steht rein rechnerisch für eine diffusionsdichte Außenseite, nur um die ebenfalls hilfreiche Außendiffusion auszublenden.

Neben dem Tauwasser gibt es noch eine zweite Gefahr bei Fachwerk-Innendämmungen: der Schlagregen. Im Unterschied zu Putz-, Backstein- oder Klinkermauerwerk neigt Fachwerk zur Bildung tiefer Spalten, durch die sehr viel Regenwasser tief ins Mauerwerk eindringen kann (vor allem an der Wetterseite, also meist aber nicht immer West, vor allem wenn Regen mit Wind zusammen wirkt).

Schlagregenschutz bietet in erster Linie ein möglichst üppiger Dachüberstand, aber auch der sorgfältige Fugenverschluß außen am Fachwerk, aber NICHT mit Silikon!! Dazu gibt es hervorragende Lehmprodukte, die sich genau so leicht wie Acryl oder Silikon verarbeiten lassen. Wenn Sie das interessiert, lassen Sie sich von uns ein Angebot machen und unser Merkblatt 540 für Fachwerk-Innendämmungen schicken. Helfen Lüftungsschlitze? Nein, ohne Belüftungsebene brauchen wir auch keine Lüftungsschlitze, die auch als Entwässerungsschlitze für Kondenswasser eingeplant werden, aber mehr Schlagregen einbringen als Feuchte ausleiten, wie man auf dem nebenstehenden Bild sieht.

Fazit: die Innendämmung von Sichtfachwerkwänden ist wirklich die Quadratur des Kreises: nach außen schlagregendicht, nach innen diffusionsoffen (also in Umkehrung der Regel "außen offen, innen dicht"), trotzdem im Kern tauwasserfrei, und nach heutigen Vorstellungen gedämmt - das zusammen funktioniert nur mit einer saugfähigen und hohlraumfreien Innendämmung.


Fachwerk-Innendämmung (pic)
Fachwerk-Innendämmung (pic)
Fachwerk-Innendämmung (pic)
 
Innendämmung Fachwerk überputzt (pic)
Innendämmung Fachwerk Schlagregendicht (pic)
Innendämmung Fachwerk Installationsebene (pic)
Innendämmung Fachwerk (pic)
Innendämmung kein Tauwasser (pic)
 
Bei Fachwerkwänden sind auch Reetdächer nicht weit, hier geht´s zu Reetdachdämmungen.