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Sommerlicher Wärmeschutz

Im Sommer soll der Wärmewiderstand der Dämmschicht in umgekehrter Richtung funktionieren - die Wärme soll nicht ein- sondern ausgesperrt werden. Dabei haben wir es gerade auf einer Dachoberfläche mit extremen Temperaturschwankungen zwischen Mittagshitze und Nachtkühle zu tun, die Temperaturspanne ist im Sommer viel größer als im Winter. Während im Winter Tages- und Nachttemperaturen um die 10°C, höchstens 20°C auseinanderliegen, sind im Sommer auf einem Dach gerne 50°C und mehr (15°C in der Nacht, 65°C über Mittag). Je dicker die Dämmschicht, desto schwächer sind die Temperaturschwankungen an der Innenseite. Die Linie für Innen wird mit zunehmender Dämmung "gerader" (siehe Grafik). Optimal ist eine Dämmstärke von ca. 30 cm, sowohl für den winterlichen als auch den sommerlichen Wärmeschutz.

Bei der nachträglichen Dachdämmung im Altbau ist aber die Dämmschichtdicke begrenzt. Hier geht es darum, einen bereits vorhandenen Hohlraum zu dämmen, und der ist oft nur 12 bis 16 cm dick. So sehr gerade bekommen wir die Innenkurve also im Altbau nicht. Dafür können wir beim sommerlichen Wärmeschutz eine andere Stellschraube nutzen - die Dämmstoffmasse. Masse speichert Wärme, und je mehr Masse, desto länger dauert die Durchwärmung der Dämmschicht von außen nach innen. Die Dauer, die die Wärme auf ihrem Weg durch die Dämmschicht braucht, nennt man "Phasenverschiebung". Was bringt uns das?

Das sehen Sie am besten an dieser Vergleichsberechnung. Ein Dach mit einer altbautypischen Dämmstärke von 15 cm, einmal mit Glaswolle (ca. 15 kg/m³ Dichte) und einmal mit Zellulose (45 kg/m³ Dichte). Beiden Dämmstoffen haben wir den selben Wärmewiderstand (Lambda-Wert) von 0,040 gegeben, und dennoch puffert die schwerere Zellulose die außen auftretenden Wärmeschwankungen deutlich besser ab. Das Temperaturmaximum an der Zimmerdecke kommt mit Glaswolle schon um 21:30 Uhr mit rund 28 °C, mit Zellulose erst um 23:45 Uhr, über zwei Stunden später, und mit einem Grad weniger. Um diese Zeit haben Sie längst wieder die Fenster geöffnet und die Abendkühle hereingelassen. Wohlgemerkt, die Innenkurve beschreibt nicht die Lufttemperatur im Zimmer, sondern die Materialtemperatur an der Zimmerdecke. Die kühle nächtliche Außenluft im Raum kompensiert die Zimmerdeckenwärme, und die Zimmerdecke kann nächtens besser abgekühlt werden als am frühen Abend.

Je dünner die Dämmschicht, desto stärker wirkt sich das Dämmstoffgewicht bei der zeitlichen Verzögerung (der Phasenverschiebung) aus. Von der Glaswoll-Industrie werden Sie das Gegenteil hören, die Dämmstoffdichte und damit auch der Dämmstoff hätte nämlich keinen Einfluß auf den sommerlichen Wärmeschutz - ja, auch das stimmt, aber nur für neubautypische Dämmstärken ab ca. 25 cm Dicke. Dann ist die Innenkurve so gerade, daß die Phasenverschiebung kaum noch zur Geltung kommt. Aber je dünner die Dämmschicht, desto stärker sind die Temperaturschwankungen an der Innenseite, und desto wichtiger ist eine möglichst lange Phasenverschiebung, um das Temperaturmaximum an der Zimmerdecke in die Nacht zu verlagern.

Klicken Sie auf das Bild zum Vergrößern. Die Grafiken sind Ausschnitte aus www.u-wert.net, dem bekannten U-Wert-Rechner, mit dem Sie für Ihre Bauteile den winterlichen Wärmedurchgang, sommerlichen Wärmeschutz und den Feuchtehaushalt durchrechnen können. Sie können also auch einen anderen - Ihren - Dachaufbau damit nachrechnen. Es gibt einen kostenfreien Zugang für private Gelegenheitsnutzer und einen kostenpflichtigen Zugang für die gewerbliche Nutzung, mit mehr Funktionen und Komfort.
 Abseite Schnittzeichnung (pic)