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Reetdächer (Rohrdächer)

Statt mit einer wasserdichten Schicht, wie es bei Ziegel-, Papp- oder Blechdächern der Fall ist, leiten hier die Halme das Regenwasser durch Adhäsion und Schwerkraft nach unten ab - das Prinzip, das beim "letzten Tropfen" an einer Kanne nach dem Eingießen nervt, hält hier die tieferen Reetschichten trocken. Allerdings ist Reet so winddurchlässig wie kein anderes Dachmaterial. Diese Winddurchlässigkeit braucht es auch zur Trockenhaltung. Damit ist auch klar, daß das Reet absolut keine Dämmwirkung haben kann, mag es noch so sehr danach aussehen.

Bei einem Dachausbau muß entweder diese Winddurchlässigkeit erhalten bleiben, indem man an der Dachinnenseite eine ca. 20 cm starke (!) Hinterlüftungsschicht vorsieht, in die keine feuchtwarme Luft vom Dachausbau oder eventuell vorhandenem zweischaligem Mauerwerk eindringen darf. Nachteile dieser Hinterlüftungsschicht sind der Raumverbrauch, die erheblich höhere Brandgefahr (aufgrund des "guten" Sauerstoffnachschubes) und Unsicherheiten bei der Planung und Kontrolle (wie stark soll die Hinterlüftungsschicht sein, wo werden Zu- und Abluftöffnungen angeordnet, wie beeinflussen sie die Luftströmungen).

Fachleute (wir auch) befürworten, direkt gegen das Reet zu flocken (auf jeden Fall ohne Unterspannbahn!). Man nutzt damit die Zellulose als Feuchtepuffer, wie hier rechts im Bild gut erkennbar. Man erhält damit einen größeren Wohnraum, mehr Brandschutz und einen stabileren Feuchtehaushalt.

Zu den genannten Fachleuten gehören (in chronologischer Reihenfolge):
  • Andreas Sielaff, Reetdachdecker aus Klein Dratow, schrieb einen wegweisenden Fachartikel in der Zeitschrift "Der Holznagel" Nr. 5/2004. Er hat das Dach seines eigenen Hauses mit Reet neu eingedeckt, direkt gegen das Reet Zellulosedämmung geflockt und über mehrere Jahre die Feuchte an den Dachlatten gemessen.
  • Prof. Dipl.-Ing. Georg Conradi, Leiter des Instituts für Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen an der TH Lübeck,der bereits zwei Brandversuche durchgeführt hat:
    - am 04.05.2006 (Schutz der Innenräume gegen Brand durch eine Unterdeckung mittels einer Massivholzschalung) und
    - am 14.06.2014 (Vergleich belüftetes Reetdach und unbelüftetes Reetdach).
  • Dipl.-Ing. Robert Heinicke Architekt aus Hamburg, Fachartikel in der "Holzbau Quadriga" Nr. 5/2016
Hier rechts ein typischer Brandverlauf eines belüfteten Reetdaches (Bremen-Huchting am 20.05.2017). Die Bewohner hatten den Brand sofort bemerkt, die Feuerwehr gerufen, selbst mit Löschversuchen begonnen - vergebens. Von oben perlt das Wasser ab (wie es bei einem Reetdach ja auch sein soll), von unterhalb der Traufe kommt die Luft "löschwassergeschützt" zum Brandherd.

Bei nicht-unterlüfteten Reetdächern muß das brennende Reet sich den Sauerstoff "durch die Halme ziehen", was die Ausbreitung schon etwas verlangsamt. Sobald ein solches Dach mit Löschwasser besprüht wird, zieht der Luftnachschub dieses Wasser mit ins Dach hinein zum Brandherd.
ReetdachFeuer (pic)
Nicht nur, aber auch bei Reetdächern: wenn Sie Ihr Dach neu eindecken oder umbauen und dafür eine schon vorhandene Zellulosedämmung absaugen lassen möchten, stimmen wir uns mit Ihrem Dachdecker ab: wir gehen vor und saugen ab (in einen Container), der Dachdecker geht hinterher und deckt um oder neu, anschließend blasen wir Ihre eingelagerte Zellulose-Reetdachdämmung aus dem Container wieder in die dann neu gedeckten Bereiche ein.

Bei Reetdächern sind auch Fachwerkwände nicht weit, hier geht´s zu Fachwerk-Innendämmungen.